
Ein Projekt von Menschen, mit Menschen,
für Menschen.
Der Blick auf die Uhr ist für uns Menschen heute nichts als eine
reflexhafte Geste, um zu ermitteln, seit wann oder wie lange etwas noch dauert.
Um aber zu dem zu gelangen, was uns diese natürliche und spontane Geste
erlaubt, bedurfte es vieler Jahrhunderte der Entdeckungen und Entwicklungen,
Forschungen und Arbeit; einer Arbeit, die ins Dunkel der Geschichte gehüllt
bleibt. Zustandegebracht wurde dies alles durch Tausende von Menschen, deren
Namen wir nie erfahren werden, die aber alle eine Leidenschaft verband: die
Zeit zu messen.
"Ich weiß sehr wohl, was die
Zeit ist", sagte der heilige Augustinus, "aber wenn man mich danach
fragte, wüsste ich es nicht zu erklären". Obwohl wir heute die Zeit mit
Atomuhren messen, deren Fehlerrate nicht größer als einige Tausendstel Sekunden
in 10 000 Jahren beträgt, behält sie ihren ganzen Zauber und ihr Geheimnis. Das
ist es, was die vierte Dimension ausmacht: Wir sehen sie nicht, aber wenn wir
es richtig bedenken, stellen wir fest, dass sie unser ganzes Leben bestimmt
und das der gesamten Welt. Transport, Handel, Handwerk, Industrieproduktion,
Unterricht, Freizeit, Sport, wissenschaftliche Forschung, Medizin: all dies
wird festgelegt und in Beziehung gesetzt durch die Zeit, mithin durch die Uhr:
die Uhr, die sich von den gewaltigen Laufwerken an Kirchen und Türmen herab bis
zum elektronisch gesteuerten Miniaturzeitmesser in unseren alltäglich
benutzten Geräten entwickelt hat.

Mittelalterliche Waaguhr - eine der wenigen noch original
erhaltenen Uhren mit Waaghemmung. Von diesen Uhren sind nur noch sieben
Exemplare in Museen und Sammlungen in Europa bekannt. Und unsere ist wohl eine
der schönsten.

Die augenblickliche Ausstellung von
öffentlichen Uhren im Rittnerthof.
Als "öffentliche Uhr", oder "soziale Uhr",
oder auch "Uhren aus dem öffentlichen Raum" bezeichnen wir solche
Uhren, welche die Menschen in der Gemeinschaft verbinden. Es sind diese
Turmuhren, Uhren an Gebäuden wie Schlössern, Rathäusern, Schulen, Fabriken,
Post, Bahnhöfen, öffentlichen Plätzen u.ä.; des weiteren Uhren aus Industrie
und Handwerk, Transport und Verkehr, Forschung und Wissenschaft, Sport und
Freizeit usw. Dies wurde bis heute noch in keinem Museum der Welt
thematisiert.

Typisches Beispiel einer Uhr an den
Eingängen zur Metro in Paris gegen Ende des 19. Jahrhunderts.
Von
großer Bedeutung für Europa ist die Geschichte der Zeitmessung in der Hinsicht,
dass die gesamte Uhrmacherei und damit mechanische Zeitmessung über Räderwerke
überhaupt aus den ersten öffentlichen Uhren entstanden ist: Die ersten
Räderuhren waren große, geschmiedete Werke um 1350, wie die in der Kathedrale
von Exeter (Südengland), Rostock, Mailand und z.B. Stadtbefestigung von Paris.
Aus diesen mitunter sehr großen "Ungetümen" hat sich aus dem Herzen
Europas die Uhrmacherei erst über Europa, dann über die ganze Welt entwickelt.
Um so mehr für uns eine Herausforderung, dieses Thema in einem Museum moderner
Art zu realisieren, die Welt zu uns einzuladen, in anderen Europäischen Ländern
ähnliche Projekte zu starten und durch unsere Wanderausstellung zu verknüpfen.
Unser Projekt auf dem Rittnerthof.
Nach einigen Versuchen einen Standort für die Sammlung und deren
Ausstellung in Karlsruhe und Umgebung zu finden, sind wir seit fast zwei Jahren
wieder auf dem Rittnerthof in Karlsruhe-Durlach gelandet. Hier hatten wir vor
fast 20 Jahren den ersten Versuch gestartet, mit Hilfe der Stadt Karlsruhe in
der alten denkmalgeschützten Hofscheune unsere Sammlung auszustellen, was
damals aber nicht gefördert wurde. Diese alte Hofscheune, deren Dach vor drei
Jahren zum Teil einstürzte, wird jetzt restauriert und ist schon
"Unterschlupf" für einen Teil unserer Sammlung geworden. Eine Option
zur Pachtung der Scheune ist von den Eigentümern bereits gegeben. Nutzungsänderung
und Ausbau sind für die kommenden Monate und Jahre geplant, wobei eine Nutzung
wie folgt aussehen soll: 400m2 Erdgeschoss werden als Uhrenmuseum
und großer Veranstaltungsraum des
Vereins ausgebaut. Geplant
sind hier kulturelle Veranstaltungen, Seminare wie Kräuterkurse, Zeichnen- und
Malkurse, Coockings,
Workshops, Schulungen, Kunstausstellungen, Musikveranstaltungen etc., angepasst
immer an die ruhige, erholsame Atmosphäre des Hofgutes. Mit der
Uhrenausstellung in den
Geschäftsräumen des Antiquitätenhändlers vor Ort, einer Werkstatt, die auch
Aufträge zur Restaurierung von Turmuhren und anderen Uhren annimmt und einem Imbisswagen mit Kaffe und
Kuchen, Eintopf und anderen Leckereien haben wir unsere Sammlung der
Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es ist jetzt schon ein lohnendes
Ausflugsziel in einer herrlichen Landschaft, die zusätzlich zu weiten
Spaziergängen einlädt. Es ist nach wie
vor unser Anliegen, ein bisher unbekanntes Gebiet alter und neuer Technik in
der Zeitmessung zeit- und kulturbegeisterten, und nicht nur technikbegeisterten
Menschen zugänglich zu machen. So wie die Erfahrung mit unserer
Wanderausstellung zeigte und zeigt, dass junge und alte Menschen, die sonst
wenig Sinn für Technik haben, voll Ehrfurcht und Freude vor diesen großen
Räderwerken der Zeitmaschinen standen und staunten - Kunstwerke nannten sie
diese auch oder funktionale Skulpturen. Diese Wanderausstellung, die die
vergangenen Jahre schon viele Menschen in anderen Städten begeisterte, wird wie ihr Name schon sagt, weiter
wandern. Geplant sind Ausstellungen im Technologiepark Karlsruhe, in einem
großen Baumarkt im Saarland, in einer bekannten Firma für Autoelektrik u.a.



Diese ungewöhnlich schön gestaltete
Kirchturmuhr ist gebaut und signiert 1832 von dem bekannten Speyerer
Turmuhrenbauer Porth. Von ihm stammt auch die Turmuhr im Speyerer Dom.
Unsere Vision:
Bestehende Uhrenmuseen beschäftigen sich allgemein mit der Uhr,
wobei immer der Schwerpunkt auf der privaten Uhr liegt, Uhren aus dem
häuslichen Bereich, wie Standuhren, Kamin- und Wanduhren, Taschen und
Armbanduhren. Einige in den letzten Jahren lobenswerterweise gegründete
Turmuhrenmuseen spezialisieren sich auf Turm- und Gebäudeuhren, lassen aber auch einen ungewöhnlich spannenden
Bereich der Anwendung von Zeitmessern in der Öffentlichkeit unberücksichtigt.
Dieses ist nun die Herausforderung an uns gewesen, unsere Sammlung weiter aus-
und aufzubauen. Um den Besuch in dieser Ausstellung zusätzlich zu einem
Ereignis zu machen, verbinden wir diese mit einem zunächst kleinen gastronomischen
Angebot zur Stärkung und Entspannung, was durch den Imbisswagen von Benny
gegeben ist. In einer kleinen Uhrmacherwerkstatt können Besucher ihre
antiken oder nur alten Erbstücke zur Revision oder Reparatur abgeben, in einer
großen Werkstatt, in der die Museumsstücke unter den Augen der Besucher nur
durch eine Glasscheibe getrennt aufgearbeitet werden, sollen in regelmäßigen
Seminaren Restaurierungs- und
Reparaturkurse für Uhren angeboten werden. Eine Verbindung unserer Ausstellung
(als Kondensationspunkt) mit Kunst- und Musikveranstaltungen und anderen oben
erwähnten Events hat nach
sehr erfolgreichen Anfängen große Priorität für uns.
Ein Hauptanliegen in der Vision ist die Schaffung einer
Begegnungsstätte zwischen und rund um
die Uhren.
Am Rand
des herrlichen Kraichgauer Hügellandes, an den Ausläufern des Schwarzwaldes,
liegt der seit Jahrzehnten als Ausflugsziel der Karlsruher bekannte Turmberg
und gibt eine herrliche Sicht auf die Rheinebene, die schon die Römer und
Kelten genossen. Dahinter, etwas verborgen,
der Rittnerthof, ein alter Gutshof mit nicht unbedeutender Historie.
Wanderwege, per Rad oder zu Fuß, schaffen Verbindung zu den umliegenden
Gemeinden und Außenvororten von Karlsruhe. Eine Bushaltestelle lässt noch 500 m
Fußweg übrig. Die Autobahnnähe (A5 Ausfahrt Ka-Durlach oder Ka-Mitte; A 8
Ausfahrt Karlsbad) wird dieses Projekt für ein internationales Publikum,
welches unsere Sammeltätigkeit und Vorbereitung für das Museum seit Jahren
schon mit sehr starkem Interesse beobachtet, noch attraktiver machen. Und da zusätzlich mit dem Baden Airport ein
naher Luftanschluss gegeben ist, sollten wir uns auf einen lebhaften und fröhlichen
internationalen Treffpunkt gefasst machen.


